Neues Bildungsjahr, alte Frage: Was Digitalisierung in der Kita wirklich bedeutet

Sabine Hagen • 16. September 2026

Mit Bayern sind jetzt auch die letzten Kinder und pädagogischen Fachkräfte ins neue Bildungsjahr gestartet – und damit ist ganz Deutschland wieder in diesem Moment angekommen, den ich jedes Jahr aufs Neue spannend finde: Neuanfang auf der einen Seite, und auf der anderen die immergleiche Frage, wie es eigentlich um unser Bildungssystem steht.


Ich führe in dieser Zeit viele Gespräche mit Kitaleitungen, Trägern, Fachkräften. Und fast immer taucht früher oder später derselbe Satz auf: "Spart das Zeit?" Das ist der eigentliche Aufhänger, wenn nach einer Kita-App oder einem neuen Tool gesucht wird. Nicht Pädagogik. Nicht Qualität. Zeit.


Nur: Zeitersparnis ist subjektiv und relativ. Die Einführung einer App kostet erst einmal Zeit, bevor sie überhaupt beginnt, welche einzusparen. Und dann steht die eigentliche Frage im Raum, die viel zu selten gestellt wird: Wo genau soll welche Zeit eingespart werden – und bei wem?


Genau an dieser unbeantworteten Frage entzünden sich für mich auch die zwei Lager, in denen wir uns in der Digitalisierungsdebatte immer wieder wiederfinden. Die einen wollen in der Digitalisierung das Allheilmittel sehen, die anderen befürchten, dass wir dabei genau das verlieren, was Pädagogik eigentlich ausmacht. Beide reden über Technik. Kaum jemand redet darüber, wessen Zeit an welcher Stelle eigentlich entlastet werden soll.

„Die einen wollen in der Digitalisierung das Allheilmittel sehen, die anderen befürchten, dass wir dabei genau das verlieren, was Pädagogik eigentlich ausmacht."

Ein guter Einstieg ist das übrigens tatsächlich: digitale Elternkommunikation. Kein Wunder, dass sie in Deutschland immer noch das A und O ist, oft sogar der erste Berührungspunkt mit Digitalisierung überhaupt. Gerade jetzt im Herbst, wenn die Krankheitswellen wieder anrollen, entlastet das nachweislich: kein Dauerklingeln mehr im Leitungsbüro am frühen Morgen, sondern ein einfaches "abwesend" per App. Diese Zeitersparnis ist real. Und sie ist völlig legitim.


Doch die eigentlich große Chance liegt für mich woanders – nämlich darin, wie richtig verstandene,
datengestützte Qualitätsentwicklung die Arbeit der Fachkräfte selbst verändern kann. Ein einzelnes "abwesend" ist banal. Auffällig wird es erst, wenn sich ein Muster zeigt.


Ein Beispiel: Ein Kind fehlt auffallend häufig mittwochs – ausgerechnet an dem Tag, an dem in der Kita der Bewegungstag stattfindet. Eine solche Auffälligkeit kann ein wertvoller Beobachtungsanlass sein. Sie wirft Fragen auf: Gibt es einen Zusammenhang? Gibt es etwas, das wir bisher nicht wahrgenommen haben? Braucht das Kind an diesem Tag vielleicht etwas anderes?

Genau darin liegt für mich der Wert von Daten in der pädagogischen Arbeit: Sie sollen nicht über Kinder urteilen, sondern Fachkräfte dabei unterstützen, genauer hinzuschauen. Ein Datenmuster ist keine Erklärung und schon gar kein Urteil. Erst im Zusammenspiel mit pädagogischer Beobachtung, fachlichem Austausch und der Kenntnis des Kindes kann daraus eine sinnvolle Frage und vielleicht eine neue Perspektive entstehen.


Digitalisierung kann damit einen wichtigen Beitrag leisten: nicht indem sie pädagogische Entscheidungen ersetzt, sondern indem sie relevante Beobachtungen sichtbar macht und Fachkräften hilft, ihre Aufmerksamkeit gezielter einzusetzen.


Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigt auch der aktuelle Bildungsbericht 2026 unmissverständlich: Soziale Unterschiede beim Wortschatz von Kindern lassen sich bereits im Alter von zwei Jahren nachweisen, Bildungsungleichheiten entstehen häufig schon vor dem Schuleintritt und setzen sich durch den gesamten Bildungsverlauf fort. Gleichzeitig verschärfen Personalengpässe die Situation genau dort, wo frühe Förderung am dringendsten gebraucht würde. Stichwort #BildungsCrash.


Das sind keine abstrakten Zahlen – das sind die eklatanten Missstände, vor denen wir jedes Bildungsjahr aufs Neue stehen. Und Zeit, die an der falschen Stelle "gespart" wird, verschärft sie eher, als dass sie hilft.


Eine gelungene digitale Transformation in der frühkindlichen Bildung setzt für mich genau hier an: Sie fragt zuerst, wessen Zeit eigentlich knapp ist und wofür sie gebraucht wird – und erst danach, welches Tool helfen kann. Digitale Kompetenz ist dabei kein Zusatz, sondern Teil der Qualitätsentwicklung, Teil der DNA jeder einzelnen Kita. Dieses Wissen gehört in die frühkindlichen Bildungseinrichtungen selbst, nicht irgendwo daneben oder darüber. Denn dort steckt die Expertise, die tagtäglich mit Eltern und Sorgeberechtigten im Kontakt steht – die genau weiß, was Familien wirklich brauchen und wo die Grenze zwischen Unterstützung und Überforderung verläuft.


Ohne pädagogische Haltung bleibt Digitalisierung Technik. Mit ihr wird sie Qualitätsentwicklung.

Wer in der Kita gerade selbst überlegt, wie die eigene pädagogische Arbeit sinnvoll digitalisiert werden kann, ohne die eigene Haltung zu verlieren – und wo die eigene Zeit tatsächlich sinnvoll eingespart wird: Hier findet ihr meine Kita Canvas.


Habt einen guten Start ins neue Kita- und Schuljahr!


von Sabine Hagen 9. September 2026
Die erste Welle der Empörung über die neuen PISA-Ergebnisse ebbt langsam ab. Schlagzeilen wurden gedruckt, politische Schuldzuweisungen ausgetauscht und Zeigefinger geschwenkt. Wie alle paar Jahre. Doch wenn der Nebel der ersten Aufregung sich lichtet, bleibt eine unbequeme Wahrheit stehen. Ich selbst war 14 Jahre alt, als 2000 die allererste PISA-Studie durchgeführt wurde. Es war der Moment, der als „PISA-Schock“ durch Deutschland ging – das erste Mal hielt uns eine Studie den Spiegel vor und zeigte ungeschönt, was in unserem Bildungssystem tatsächlich passiert. Natürlich waren mir die politischen Ergebnisse und Statistiken mit 14 Jahren noch nicht in ihrer vollen Tragweite bewusst. Aber was es in der Praxis bedeutete, habe ich am eigenen Leib gespürt: Ich weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie es ist, wenn man zu Hause nicht die Unterstützung erfährt wie andere und man sich selbst durchbeißen muss.
von Sabine Hagen 28. Juni 2026
„Investieren wir in die Wachstumsbereitschaft der Kitas und geben ihnen die Unterstützung, die sie ganz individuell für ihr Wachstum benötigen, so werden wir eine blühende Landschaft voller Vielfalt sehen.“
von Sabine Hagen 18. Juni 2026
Wer die Zukunft der frühen Bildung entwickeln möchte, muss die Vergangenheit verstehen.
von Sabine Hagen 14. Juni 2026
In der Krise zu verharren und zu verwalten, führt in die Überlastung. Jetzt ist die Zeit, Strukturen radikal zu hinterfragen.  Aus Krisen entsteht der größte Innovationsdruck – auch für Kita-Teams und Träger.
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Deutschland steckt in einer Kita-Krise: Hundertausende Erzieher:innen fehlen bundesweit. Dieser dramatische Fachkräftemangel überlastet nicht nur die verbliebenen Fachkräfte, sondern gefährdet auch die Gesundheit und Bildung unserer Kinder. Je mehr Kinder von einer einzelnen Fachkraft betreut werden müssen, desto weniger Zeit bleibt für individuelle Förderung – ein entscheidender Faktor für die Entwicklung unserer Kleinsten. Die Abwärtsspirale: Überlastung führt zu noch mehr Ausfällen Die Folgen sind alarmierend: Kinder in überfüllten Gruppen erkranken häufiger, und überarbeitete Erzieher:innen melden sich krank. Das führt zu einer Abwärtsspirale – die Qualität der Betreuung sinkt weiter. Langfristig bedeutet das schlechtere Bildungschancen, weniger soziale Förderung und höhere gesellschaftliche Kosten und ein #BildungsCrash mit Ansage. Eltern spüren diese Krise täglich: Sie müssen die Betreuungslücken füllen, was zu mehr Stress und finanziellen Belastungen führt: Sinkende Betreuungsqualität: Wenn eine Fachkraft zu viele Kinder gleichzeitig im Blick behalten muss, verkommt der Bildungsauftrag zur reinen "Verwahrung". Pädagogische Angebote fallen als Erstes weg. Steigender Krankenstand: Die verbliebenen Erzieher:innen arbeiten permanent an der Belastungsgrenze. Die Folge: Überarbeitete Fachkräfte melden sich häufiger krank, was den Druck auf das verbleibende Team weiter erhöht. Höheres Infektionsrisiko: In überfüllten, unterbesetzten Gruppen steigt nachweislich auch die Infektionsrate bei den Kindern – ein Teufelskreis aus Krankheitswellen beginnt. Ein umfassender Bericht des Recherchezentrums CORRECTIV zeigte bereits Ende 2023 das ganze Ausmaß dieser Krise auf und machte deutlich: Wir steuern sehenden Auges auf einen bildungspolitischen Kollaps zu. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten Die Kita-Krise ist längst kein reines "Kita-Thema" mehr, sondern belastet die gesamte Gesellschaft: Schlechtere Bildungschancen: Frühkindliche Bildung legt das Fundament für die spätere Schullaufbahn. Fehlt diese Basis, drohen langfristig weniger soziale Förderung und höhere gesellschaftliche Folgekosten. Enormer Druck auf Eltern: Eltern spüren diese Krise täglich am eigenen Leib. Spontane Kita-Schließungen oder verkürzte Öffnungszeiten bedeuten, dass Eltern Betreuungslücken im Alltag selbst füllen müssen. Das führt zu permanentem Stress, mentaler Überlastung und nicht selten zu finanziellen Einbußen, wenn Arbeitszeiten reduziert werden müssen. Der Ausweg: Drei Hebel gegen den Kollaps Die Krise ist akut, aber sie ist nicht unlösbar. Um das System nachhaltig zu stabilisieren, muss an drei wesentlichen Stellschrauben gedreht werden: 1. Offensive in der Ausbildung Die Ausbildung zur Erzieherin / zum Erzieher muss attraktiver und finanziell vergütet werden. Hürden für Quereinsteiger müssen sinken, ohne dabei die pädagogischen Standards zu untergraben. 2. Verbesserung der Arbeitsbedingungen Bessere Personalschlüssel, Entlastung von bürokratischen Aufgaben durch Verwaltungskräfte und eine faire, leistungsgerechte Bezahlung sind der Schlüssel, um Fachkräfte im Beruf zu halten. Für interne Herausforderungen oder Ideen habe ich die Kita Canvas entwickelt. Hier geht's zum Blogbeitrag . 3. Konsequente Investitionen der Politik Jeder Euro, den wir heute in die frühkindliche Bildung investieren, spart der Gesellschaft in der Zukunft ein Vielfaches an Reparaturkosten. Die Politik auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene muss endlich echte Verantwortung übernehmen und die Krise mit oberster Priorität bewältigen. Fazit: Es ist eine Investition in unser aller Zukunft Wenn wir heute nicht handeln, riskieren wir die Zukunft einer ganzen Generation. Eine starke Wirtschaft und eine gesunde Gesellschaft funktionieren nur mit einem stabilen Fundament – und dieses Fundament wird in unseren Kitas gelegt.
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Frühkindliche Bildung ist mehr als Betreuung: Sie ist der erste Schritt zu Chancengleichheit, Resilienz und den Kompetenzen, die wir in einer mehr und mehr digitalen Welt dringend brauchen. Die Grundlagen für New Work, Future Skills und Sozialkompetenzen werden bereits in den ersten Lebensjahren gelegt. Doch wir stehen vor einer großen Herausforderung: Der aktuelle #BildungsCrash beeinflusst die Entwicklung unserer Kinder nachhaltig. Wie jüngst im Spiegel berichtet, fehlen gerade in Westdeutschland massiv Kitaplätze, und der Personalnotstand verschiebt sich zunehmend in die Grundschulen. Immer mehr Kinder erhalten nicht die Förderung, die sie für einen erfolgreichen Bildungsweg brauchen. Diese Entwicklung ist fatal – denn digitale Kompetenzen, Kreativität und soziale Fähigkeiten werden bereits in der frühen Kindheit, auch durch die Kitas, angelegt. Technologische Innovationen wie u. a. Googles Veo 3 zeigen, wie schnell sich Arbeits- und Lebenswelten verändern. Die Digitalisierung erfordert nicht nur technische, sondern vor allem soziale und kognitive Fähigkeiten: Empathie, Resilienz und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen. Diese „Future Skills“ werden in Kitas bereits gefördert – doch wir müssen sie erkennen, wertschätzen und weiterentwickeln. Die digitale Transformation mag manchmal überwältigend wirken – vor allem, wenn die Rahmenbedingungen nicht ideal sind. Doch inspirierende Veränderung beginnt im Kleinen: Schon ein kurzer Austausch im Team, ein gemeinsames Ausprobieren neuer Ideen oder das Teilen von Erfolgsgeschichten kann viel bewirken. Es geht nicht darum, alles auf einmal zu schaffen. Jeder kleine Schritt zählt und inspiriert andere. Was bedeutet das für Politik und Eltern? Politik: Setzen Sie auf nachhaltige Bildungsreformen, mehr Personal und eine bessere Ausstattung – und zwar jetzt, nicht erst in zehn Jahren. Eltern: Unterstützt eure Kinder dabei, neugierig zu bleiben und digitale Tools als Werkzeuge zu begreifen. Die digitale Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Lasst uns die Chancen nutzen, die in frühkindlicher Bildung und innovativer Technologie stecken. Wir brauchen mehr Mut zu Reformen, mehr Investitionen in die Jüngsten – und eine neue Aufmerksamkeit für dieses Zukunftsthema. 💛
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Juli 2025 Der Übergang vom Sommer zum Herbst ist traditionell eine Zeit des Umbruchs in der Kitawelt. Während in einigen Bundesländern die wohlverdienten Sommerferien beginnen, startet andernorts bereits das neue Kitajahr. Es ist die perfekte Phase, um innezuhalten, zu reflektieren und Liegengebliebenes neu zu sortieren. Doch im Kita-Alltag stehen Teams bei Veränderungen oft vor einer metaphorischen Pfütze. Die Frage, die sich dann stellt: Bleiben wir zögernd davor stehen oder wagen wir den Sprung? Kinder überlegen nicht lange – sie nehmen Anlauf und springen mutig hinein. Genau diese kindliche Neugier und diesen Mut brauchen wir auch, wenn wir Kitas zukunftsfähig gestalten wollen. Veränderungen fühlen sich manchmal riesig an. Aber sie beginnen immer mit dem ersten Schritt, mit einem kleinen Sprung – und auch mal mit nassen Füßen. In einer meiner letzten Podcast-Folgen des KI.taqualität® - der Podcast haben es Anja Zettel und Kathrin Stojakovic sehr gut auf den Punkt gebracht und uns an ihrem Sprung in die Pfütze teilhaben lassen: Den Mut, KMK kinderzimmer von einer zentralen zu einer dezentralen Organisation zu entwickeln. Oder, in meinem gern herangezogenen Vergleich mit der Pflanzenwelt: „Die Pflanze sagt ja auch nicht, zack, isch bin feddisch – sondern sie wächst. Erst mit zwei kleinen Blättern, dann immer größer.“ Schritt für Schritt werden aus kleinen Anpassungen große Fortschritte – wie bei der Pflanze, die erst zwei Blätter hat und dann immer mehr wächst. Veränderungen im Team brauchen Zeit, Geduld und manchmal ein bisschen Mut – so wie beim Hineinspringen in eine Pfütze. Jeder Sprung und jedes kleine Blatt zeigen: Wir entwickeln uns weiter. Drei Impulse für Ihr „erstes kleines Blatt“ morgen Sie müssen nicht sofort die gesamte Struktur Ihrer Kita auf den Kopf stellen. Inspirierende Veränderung gelingt am besten durch Mikro-Schritte. Stellen Sie sich im Team folgende Fragen: Wo blockieren wir uns selbst aus Angst vor Fehlern? Wo stünde uns etwas mehr „kindlicher Pfützen-Mut“ gut zu Gesicht? Was ist das kleinste denkbare Projekt? Welches „erste Blatt“ können wir diese Woche pflanzen, ohne das Team zu überfordern? Wie feiern wir kleine Fortschritte? Schauen wir nur auf das Endziel oder schätzen wir bereits das Wachstum der ersten zwei Blätter? Fazit: Jeder Sprung zeigt Entwicklung Veränderungen im Team brauchen Zeit, Geduld und manchmal ein bisschen Mut. Doch jeder Sprung und jedes neue Blatt beweisen: Wir bleiben nicht stehen, wir entwickeln uns weiter. Jetzt sind Sie dran: Wo möchten Sie morgen den ersten Sprung wagen? Was könnte das „erste kleine Blatt“ in Ihrer Kita oder Ihrer Organisation sein?
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
10 Jahre Kita-Digitalisierung: Von der „WhatsApp-Gruppe aus der Hölle“ zu echter Transformation Hätten Sie gedacht, dass wir vor genau zehn Jahren noch darüber diskutiert haben, ob Kitas überhaupt eine digitale Infrastruktur brauchen? Als ich vor einer Dekade mit dem Traum begann, eine eigene Kita-App zu entwickeln, war die Rückmeldung aus den Einrichtungen ehrlich, direkt und ernüchternd: „Brauchen wir nicht, dafür haben wir doch eine WhatsApp-Eltern-Gruppe.“ Heute wissen wir: Diese privaten Gruppen haben ihren ganz eigenen Ruf weg – manche nennen sie nicht ganz unberechtigt die „WhatsApp-Gruppe aus der Hölle“. Doch sie waren damals der erste, pragmatische Versuch, Kommunikation zu beschleunigen. Seit diesem Startschuss begleite ich die digitale Transformation in Kitas in ganz unterschiedlichen Rollen: von der Geschäftsführung in Kitas über die Prozessbegleitung bei der Digitalisierung bis hin zu meiner heutigen Position. Nach über 10 Jahren in diesem Bereich steht für mich eine Erkenntnis felsenfest: Digitalisierung ist kein Hexenwerk. Es sind die kleinen, mutigen Schritte, die den echten Unterschied im Alltag machen . Warum Digitalisierung in der Kita nichts mit „Dauerstrom“ zu tun hat Viele Teams schrecken vor digitalen Tools zurück, weil sie befürchten, noch mehr Zeit vor Bildschirmen zu verbringen oder permanent erreichbar sein zu müssen. Doch das Gegenteil sollte das Ziel sein. Ein Satz, den ich in den letzten Jahren immer wieder geprägt habe, lautet: „Digitalisierung heißt nicht Dauerstrom, sondern öfter mal kurz durchatmen und neu starten.“ Es geht nicht darum, bewährte pädagogische Arbeit durch Technik zu ersetzen. Es geht darum, durch schlaue Prozesse Freiräume zu schaffen – für Teams, für Eltern und vor allem für das Wichtigste: die Kinder. 3 Learnings aus 10 Jahren digitaler Transformation in Kitas Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, lassen sich die Erfolgsfaktoren für eine gelungene Digitalisierung in drei Kernpunkte zusammenfassen: 1. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht das Tool Die beste Software nützt nichts, wenn das Team nicht abgeholt wird. Digitalisierung in der Kita ist zu 80 % Change Management und Kommunikation und nur zu 20 % Technik. Vorbehalte müssen ernst genommen und Ängste abgebaut werden. 2. Klein anfangen, statt das große Ganze zu erzwingen Man muss nicht von heute auf morgen die gesamte Verwaltung, die Entwicklungsdokumentation und die Elternkommunikation umstellen. Wer mit einem kleinen, spürbaren Erfolgserlebnis startet (z. B. der digitalen Abwesenheitsmeldung der Kinder), nimmt das Team automatisch mit. 3. Entlastung muss spürbar sein Digitale Tools dürfen keine Zusatzaufgabe sein, sondern müssen Arbeit abnehmen. Wenn die Zettelwirtschaft aufhört und Infos Eltern direkt und DSGVO-konform erreichen, wird der Mehrwert sofort für alle sichtbar. Dieses 10-jährige Jubiläum ist für mich kein Grund, mich auszuruhen, sondern der perfekte Zeitpunkt, um frisch durchzuatmen und neu zu starten. Danke an alle Kitas, Träger und Wegbegleiter, die diesen Weg in den letzten 10 Jahren mit mir gegangen sind!
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Bereits 2018 war ich im Austausch mit Bundestagsabgeordneten zum Thema Digitalpakt Kita. Kurzzeitig aufgegriffen, dann wieder verworfen, denn: Wer ist eigentlich zuständig? Mittlerweile haben Bildung und der frühkindliche Bereich zumindest das gleiche Haus auf Bundesebene im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, doch geändert hat sich wenig. Außer ein 4 Mrd. € Sondervermögen für Hochschulen vs. Kitas. Was wir in den ersten 6 Lebensjahren verpassen, holen wir nicht mehr auf. Das ist keine Meinung — das ist wissenschaftlicher Konsens. Und trotzdem behandeln wir Kitas wie eine Aufbewahrungsstelle, die man gelegentlich mit WLAN ausstattet, wenn gerade Geld übrig ist. Ich nenne das nicht Pech. Ich nenne das strukturelle Bildungsvergessenheit. Der #BildungsCrash ist kein Zufall. Er ist eine Folge von Entscheidungen. Jan-Martin Wiarda schreibt das Anfang März ganz treffend in seinem Blogbeitrag zur Verteilung des Sondervermögens: „Hier manifestiert sich ein gesellschaftlicher Trend, dessen Existenz sich immer weniger verleugnen lässt. Eine alternde Gesellschaft interessiert sich immer weniger für ihre eigene Zukunft, sprich: die immer kleiner werdende junge Generation." Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines strukturellen Ungleichgewichts: Hochschulen sind politisch besser organisiert. Kitas sind fragmentiert, unterfinanziert — und haben keine Lobby, die auf Augenhöhe spricht. Wer in den ersten Lebensjahren nicht investiert, investiert später das Dreifache — in Förderung, Therapie, Nachholen. Das ist kein Meinung. Das ist Bildungsökonomie. Der #BildungsCrash ist kein Zufall. Er ist eine politische Entscheidung. Und ich weigere mich, so zu tun, als wäre das normal. „Christian" war 2022 der meist verbreitete Name unter Vorständen, mein Blogbeitrag hierzu vom 20. Mai aktueller denn je.
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Die Digitalisierung ist längst Teil unseres Alltags, und auch in Kitas gewinnt sie zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um den Einsatz von Tablets oder Apps, sondern um die Chance, frühkindliche Bildung gezielt zu unterstützen und gleichzeitig die Qualität der pädagogischen Arbeit zu steigern.