Als ich damals meine Stelle als Ev. Kita-Geschäftsführerin angetreten habe, war es der 2. Juli, mein erster Arbeitstag. Er bestand aus der feierlichen Neueröffnung unseres Familienzentrums, aber was viel wichtiger oder herausfordernder war: Es war Juli.
Für Kitas (besonders bei uns in Bayern) ist das einer der anstrengensten Monate. Juli bedeutet Endspurt und Ausnahmezustand zugleich: Das aktuelle Kitajahr neigt sich dem Ende zu, die Personalplanung für das nächste Kitajahr muss für das nächste Jahr finalisiert werden, die Haushaltsplanung für jede einzelne Kita stehen an, Bewerbungsgespräche laufen auf Hochtouren und ganz nebenbei werden Abschiedsfeste gefeiert.
Inmitten dieses jährlichen Wahnsinns stecken Kitas heute in einer tiefen, strukturellen Krise und das liegt nicht an den
rückläufigen Geburten. Um hier nicht unterzugehen und Chancen für Veränderungen nicht erst auf das nächste Kitajahr zu verschieben, braucht es Mut und einen klaren Fokus.
Gerade in dieser herausfordernden Zeit, brauchen alle Entscheidungen die zu treffen sind Hand und Fuß (nein, bitte nicht Hand-Mund-Fuß ;)), Es muss radikal priorisiert werden, was in dieser begrenzten Zeit überhaupt zu schaffen ist, um die Zukunft der Einrichtung zu sichern und diese weiterentwickeln zu können.
Die unterschiedlichen Brillen in der Krise
Dass ein „Weiter so!" in der frühen Bildung nicht mehr funktioniert, wird vielerorts diskutiert. Spoiler: Es funktioniert i. m. A. schon seit der Corona-Pandemie nicht mehr. Die politische und gesellschaftliche Akzeptanz und Notwendigkeit der großen Investitionen in diesen wichtigen Bereich bleiben aus. Alle finanziellen Mittel, die aktuell zur Verfügung stehen, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Daher ist es so immens wichtig, dass Trägervertretung, Kitaleitung und Kitateams an einem Strang ziehen.
Wenn es darum geht, gemeinsam Lösungen zu finden, prallen in der Krise oft zwei (angespannte) Welten aufeinander:
Die Kita-Leitung sieht den akuten Mangel, die enorme Belastung des Teams und den pädagogischen Qualitätsbedarf. Sie sucht nach Lösungen, die sofort entlasten und den Kindern direkt helfen.
Der Träger steht unter massivem wirtschaftlichem und rechtlichem Druck. Er muss den Fachkraft-Kind-Schlüssel einhalten, Budgetgrenzen wahren und trägt das volle finanzielle Risiko. Die Reaktion auf neue Ideen ist daher oft Abwehr: „Geht nicht, kein Geld, kein Personal“.
Kita-Leitungen argumentieren oft rein pädagogisch, Träger oft rein wirtschaftlich oder strukturell. Das Ergebnis? Frust auf beiden Seiten und Stillstand.
Die Kita Canvas als „Übersetzer" für Träger, Leitung und Team
Als ehemalige Kita-Geschäftsführerin und Betriebswirtin habe ich genau aus diesem Grund die
Kita Canvas entwickelt. Sie basiert auf der bewährten Business Model Canvas von Osterwalder und braut die dringend benötigte Brücke zwischen Pädagogik und Betriebswirtschaft. Sie sorgt dafür, dass Trägervertretung, Kitaleitung und Teams endlich dieselbe Sprache sprechen und eine gemeinsame Basis für Innovation, Krisen-Management und Weiterentwicklung haben.
In 12 logischen Bausteinen könnt ihr das Thema eurer Wahl oder eurer akuten Krise angehen. Wir starten mit den vier Ausgangsbausteinen:
1)
Situation: Wo stehen wir gerade (z. B. im stressigen Jahresendspurt)?
2)
Wachstumshürden: Was blockiert uns oder hindert uns?
3)
Herausforderung: Was ist das eigentliche Kernproblem, das wir lösen wollen?
4)
Idee: Wie sieht unser konkreter Lösungsansatz aus und warum lohnt sich das?
Darauf aufbauend wird das Konzept weiter vertieft und strategisch untermauert, mit diesen Bausteinen:
5)
Ressourcen - vorhanden: Was und wen haben wir bereits an Bord?
6)
Ressourcen benötigt: Was brauchen wir wirklich neu?
7)
Macher:innen: Wer übernimmt im Team die Verantwortung?
8)
Werte: Welches pädagogische Fundament trägt dieses Projekt?
9)
Sozialraum: Wer kann aus unserem Umfeld unterstützen?
10)
Zielgruppe: Für wen genau machen wir das?
11)
Meilensteine: In welchen kleinen, machbaren Schritten gehen wir vor?
12)
Erfolg: Woran merken wir messbar, dass es funktioniert hat?
Den Krisen-Modus nutzen für echte Veränderung
Die Kita-Krise fordert uns alle (heraus). Aber sie zwingt uns auch dazu, altgediente, ausgetretene und vielleicht zu bequeme Pfade endlich zu verlassen und diesem wichtigen Bildungsbereich endlich mehr Aufmerksamkeit zu geben.
Mein Beitrag für dich und euch ist die Kita Canvas. Nutze sie, um im Team Klarheit zu gewinnen und beim Träger strategisch, professionell und auf Augenhöhe zu argumentieren. So rettest du gute Ideen vor dem Papierkorb und lässt, trotz Krise, echte Chancen für die Zukunft der Einrichtung wachsen.
Hole dir hier die Kita Canvas, oder die Kita Canvas mini und leg' los. Oder, wie es Anja Förster und Peter Kreuz so schön in ihrem Buch betitelt haben „Vergeude keine Krise".