Christian, wir haben ein Problem

Sabine Hagen • 20. Mai 2022

Am Montag nach Muttertag findet jährlich der Tag der Kinderbetreuung statt. Dieses Jahr sogar bereits zum 10. Mal. Eine Woche später dann die Verleihung des Deutschen Kitapreises, ebenfalls ein Jubiläum, denn diese Auszeichnung wird im 5. Jahr in zwei unterschiedlichen Kategorien vergeben (Kita des Jahres, Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres). Viel Grund zum Feiern und vor allem viel Aufmerksamkeit für die großartige Arbeit in den frühkindlichen Bildungseinrichtungen und der Tagespflege.


Dazwischen starteten wir unsere beiden Events, den ersten bundesweiten Kitagipfel und #KitaHackathon 2022. Eine aufregende Woche, die, vor allem an besagtem Tag der Kinderbetreuung, voll war mit Lob und warmen Worten für die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen und der Tagespflege. Viele Postings waren auf Social Media zu sehen, in denen die unterschiedlichsten Personen ihren Dank aussprachen. Und dann kam der Dienstag.

Wie das Klatschen für die Pflegekräfte während der Pandemie, so verpufften auch diese Postings und verschwanden im Datenmeer des Algorithmus.

 

Wir stehen in Deutschland aktuell an einem Wendepunkt. Wo vielerorts Menschen mit Maske beäugt werden, als hätten sie die Krätze, oder Sätze fallen wie: „Sie benötigen keine Maske mehr. Bitte nehmen Sie sie ab, sie erschrecken damit meine Kinder!“, verschließt man damit nur die Augen vor dem eigentlichen Problem. Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Vor lauter Feierlaune gilt es auch und vor allem im frühkindlichen Bildungsbereich die Augen zu öffnen. Wie ich bereits in den letzten Beiträgen geschrieben habe, drängt die Zeit, denn unser frühkindlicher Bildungsbereich brennt. Da reichen nette Postings auch nicht zum Löschen. Wir steuern auf einen Herbst und Winter zu, der vor allem wieder einmal den Bildungsbereich treffen wird, oder um es deutlicher zu machen: die Kinder und deren #BildungsCrash[1].

 

Virologen warnen schon vor der nächsten Corona-Welle im Herbst. Die Aussichten für den Herbst 2022 sind nach einer Modellprognose der TU Berlin eher ernüchternd. Und schon in den vergangenen Sommern entspannte sich die Corona-Lage. Dann im Herbst änderte sich das schlagartig. Infektionszahlen explodierten nach den Sommerferien – dann erst reagierte die Politik.“ (Merkur)


Ach, dass bisschen Kinderbetreuung, …“, wird man dann Christian sagen hören, Vorstandsvorsitzender der Kinder-Sind-Mir-Doch-Egal AG und Nachfolger von Thomas (s. Allbright-Stiftung 2021). Doch wissen vor allem Eltern, dass es eben nicht „ein bisschen Kinderbetreuung“ ist, wenn man auf Grund der geschlossenen Gruppe (Grund: Fachkräftemangel oder pandemiebedingt), der gesamten Kita oder Distanzunterricht, mit den eigenen Kindern im Homeoffice sitzt. Christian steht somit der Herausforderung gegenüber, dass seine Mitarbeitenden ausgebrannt oder der Ruf der AG so schlecht geworden ist, dass sich nur noch wenige Bewerber:innen auf offene Stellen finden. Damit geht jedoch nicht nur die Zukunft des Unternehmens kaputt, sondern auch die der Kinder und Eltern, da sich womöglich die Einkommenssituation ändert. Daraus resultiert dann ebenfalls die Kürzung der Buchungsstunden in der Kita, die vor allem im U3-Bereich nicht unerheblich sind und die Kinder ziehen wieder den Kürzeren. Es bildet sich also ein gesamtgesellschaftliches Problem.

 

„Kinder haben ein Recht darauf, gehört, gesehen und gefragt zu werden. Sie haben ein Recht auf Beachtung und auf Achtung ihrer Menschenrechte und ein Recht „auf den heutigen Tag“. Kinder sind aktive Gestalter*innen ihrer Welt und ihrer Interaktionen mit Erwachsenen und anderen Kindern. Es gilt, ihre verschiedenen Ausdrucksformen aufmerksam wahrzunehmen, ihre Perspektive zu verstehen, sie gegebenenfalls zu „übersetzen“ und Kinder kontinuierlich und systematisch an der Entwicklung von Kita-Qualität zu beteiligen.“ (Bertelsmann 2021, S. 2)

 

Doch was ist Qualität in Kitas überhaupt und was hat das mit Christian zu tun? Ist es die Betreuungsleistung von sechs bis 18 Uhr, damit die Eltern als Arbeitnehmende ihrer Arbeit z. B. in der Kinder-Sind-Mir-Doch-Egal AG nachgehen können? Oder ist es doch eher eine gut ausgestattete (personell, wie finanziell und materiell) Kindertageseinrichtung, in welcher sich die Kinder individuell und frei entfalten und ihrem Recht auf (digitale) Bildung nachgehen können?

 

Wie war das noch gleich mit den Kinderrechten und dem Grundgesetz?

 

Der Rat der Europäischen Union hat 2021 eine Empfehlung ausgesprochen, aus welcher nun in Deutschland der Aktionsplan „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“ und Ekin Deligöz als Nationale Kinderchancen-Koordinatorin hervorgegangen ist. Die Empfehlung sieht u. a. folgendes vor:

 

„(19) Der frühzeitige Abbau von Benachteiligungen ist eine kosteneffiziente Investition, auch langfristig, da er nicht nur zur Inklusion von Kindern und zu besseren sozioökonomischen Ergebnissen im Erwachsenenalter beiträgt, sondern durch eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft sowie durch Verbesserung des Übergangs von der Schule zum Beruf, unter anderem durch die vollständige Umsetzung der Empfehlung des Rates vom 30. Oktober 2020 zum Thema „Eine Brücke ins Arbeitsleben – Stärkung der Jugendgarantie“, auch einen Beitrag zur Wirtschaft und zur Gesellschaft leistet. Investitionen in die Chancengleichheit von Kindern bilden die Grundlage für ein nachhaltiges und inklusives Wachstum, das faire und widerstandsfähige Gesellschaften und eine soziale Aufwärtskonvergenz unterstützt. Auch wird dadurch ein Beitrag dazu geleistet, die Auswirkungen ungünstiger demografischer Entwicklungen zu bewältigen, indem der Mangel an Fachkräften und generell an Arbeitskräften verringert und eine bessere territoriale Abdeckung sichergestellt wird, während gleichzeitig die Chancen, die sich aus dem grünen und dem digitalen Wandel ergeben, genutzt werden.


(20) Ein gleichberechtigter Zugang zu hochwertiger und inklusiver frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung ist von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, die Weitergabe sozialer Ausgrenzung zu durchbrechen und Chancengleichheit für benachteiligte Kinder zu gewährleisten. Die begrenzte Verfügbarkeit und die hohen Kosten der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung können jedoch ein Hindernis für Kinder aus einkommensschwachen Familien darstellen. Ihre Teilnahmequoten sind erheblich niedriger und führen später zu schlechteren Bildungsergebnissen und höheren Schulabbruchsquoten, insbesondere bei Kindern mit Migrationshintergrund oder Roma-Kindern. Segregation und Diskriminierung beim Zugang von Kindern mit Behinderungen oder sonderpädagogischem Förderbedarf zum regulären Bildungssystem stellen nach wie vor eine Herausforderung dar. Die Wahl der Bildungseinrichtung muss im Sinne des Wohls des Kindes erfolgen. Angesichts steigender Zahlen von Kindern mit Migrationshintergrund in den Bildungssystemen gilt es, ein segregiertes schulisches Umfeld zu verhindern und die Unterrichtsmethoden anzupassen, nach Maßgabe des nationalen Rechts und der Verpflichtungen der Mitgliedstaaten im Rahmen der einschlägigen internationalen Instrumente auf diesem Gebiet“. (Rat der Europäischen Union)

 

Was in dieser Empfehlung (welche sich an bedürftige Kinder = „Personen unter 18 Jahren, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind“ (Rat der Europäischen Union) richtet) wichtig ist, es ist immer die Rede von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Förderung. Eine bundesweite Akzeptanz, dass es sich bei Kindertageseinrichtungen um Einrichtungen der frühkindlichen Bildung handelt, wäre hier der erste Schritt! Denn reden wir über Chancengleichheit, so haben alle Kinder innerhalb einer Nation das Recht auf eine hochwertige (frühkindliche) Bildung, Betreuung und Förderung. Also Christian, hier geht es um die Zukunft deines börsennotierten Unternehmens und aktuell um die Kinder deiner Mitarbeitenden. 😉

 

„Was geht mich das an? Schließlich habe ich die Mitarbeitenden eingestellt, um zu arbeiten, und nicht auf Grund der Tatsache, dass sie Eltern sind!“

 

Dann argumentiere ich hier gerne mit den Argumenten aus dem Beitrag „Es ist doch nur Schnupfen“:

 

Fassen wir also einmal kurz die aktuelle Lage zusammen. Wir haben:

  1. Christian, Vorstandsvorsitzender der Kinder-Sind-Mir-Doch-Egal AG, dessen Mitarbeiter:innen ausgebrannt oder kurz vor der Kündigung stehen.
  2. Den frühkindlichen Bildungsbereich, der am Ende ist
  3. Die Kinder, die wie man es dreht und wendet, den Kürzeren ziehen.

 

Wie kriegen wir nun alle zusammen, so dass die Rechte, Aufgaben und Entwicklung jeder und jedes Einzelnen gewahrt bleibt?

Die Empfehlung des Rats der Europäischen Union gibt uns bereits die Antwort:


Wir müssen investieren, und zwar in die Bildung, Betreuung und Entwicklung der Kinder und das ab der frühkindlichen Bildung, den Kindertageseinrichtungen und der Tagespflege!


Der Digitalpakt Alter macht es vor:

„Der DigitalPakt Alter ist eine Initiative zur Stärkung von gesellschaftlicher Teilhabe und Engagement Älterer in einer digitalisierten Welt. Der DigitalPakt Alter ist als längerfristige Initiative angelegt. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen sollen vielfältige Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Teilhabe kooperativ und sektorenübergreifend vorangetrieben werden.“ (www.digitalpakt-alter.de 2022)

Ein Bundeskinderministerium, wir haben diesem auch einen Bereich in unserem #NewKita-Ansatz gewidmet, bietet die Möglichkeit, die Kinder in den Fokus zu setzen. Ein Digitalpakt Kinder unterstützt nicht nur die frühkindlichen Bildungseinrichtungen (einen Digitalpakt Schule gibt es ja bereits, nur für den Digitalpakt Kita fühlt sich niemand verantwortlich), sondern bietet den Eltern zusätzliche finanzielle Unterstützung, um Hard- und Software für ihre Kinder und deren (digitale) Bildung zu finanzieren. Gleichzeitig gehen Eltern und Kinder diesen Schritt gemeinsam und können von- und miteinander lernen. 

Die Handlungsempfehlungen für Kinderrechte in der Kita im Kontext von Digitalität und Digitalisierung von Frau Prof. Dr. Nadia Kutscher sehen hierzu folgendes vor:

  •  „Um Kinderrechte im Kontext von Digitalität fortlaufend zu sichern und zu stärken, bedarf es eines gemeinsam in Kitas abgestimmten und getragenen Handlungskonzepts. Dies stellt die Basis für eine qualitätsvolle Arbeit in den Kitas dar.
  • Politische Entscheidungsträger*innen für die Themen Familie und frühkindliche Bildung müssen insbesondere für den Schutz privater Daten und für die Rechte auf Teilhabe und kindgerechte Beteiligung sensibilisiert werden, damit sie einen kinderrechtlich sensibilisierten Rahmen für den Umgang mit Digitalität gestalten.
  • Es gilt, Eltern hinsichtlich der Umsetzung von Kinderrechten im Alltag zu sensibilisieren und einzubeziehen. Gleichzeitig braucht es Forschung zu der Frage, wie pädagogische Fachkräfte und Kindertageseinrichtungen mit Digitalität und Kinderrechten – auch im Dialog mit Familien – umgehen." (Kutscher 2021)


Fazit

Wollen wir als Gesellschaft, als Eltern oder Arbeitgeber den #BildungsCrash der Kinder, unserer eigenen Kinder verhindern, so müssen wir investieren. Investieren in die Zukunft der Kinder, die Zukunft der (frühkindlichen) Bildung und die Zukunft unseres Landes. Wir als Gesellschaft, als Eltern, Arbeitnehmer:innen oder Arbeitgeber:innen haben es selbst in der Hand, in welche Richtung sich unser Land entwickelt. Bleibt es bei einem „Hättiwari“ oder packen wir es endlich an. Die aktuell Kleinsten in unserer Gesellschaft haben ein Recht auf Chancengleichheit, Bildung und eine Zukunft, die ihrem eigenen Potenzial entspricht. Lassen wir es nicht zum #BildungsCrash kommen. Was Christian davon hat, außer, dass sich seine Mitarbeiter:innen ernstgenommen fühlen und nicht kündigen? Er hat das Potenzial der frühkindlichen Bildung und der Investition in die Zukunft, die Zukunft seines DAX-Konzerns erkannt und freut sich in Zukunft nicht nur über gut ausgebildete Fachkräfte. 😊

 

Übrigens: Am 01. Juni ist „Internationaler Kindertag“, ein toller Tag, um loszulegen, oder?
 

Quellen:

  •     Allbright-Stiftung (2021): Der neue Frühjahrsbericht. URL. https://www.allbright-stiftung.de/aktuelles/2021/6/17/der-neue-allbright-bericht-ist-erschienen-1
  •     Allbright-Stiftung (2019): „Ein ewiger Thomas-Kreislauf“. URL: https://www.allbright-stiftung.de/aktuelles/2019/6/17/der-neue-allbright-bericht-ein-ewiger-thomas-kreislauf-
  •     Bertelsmann Stiftung (2021): Achtung Kinderperspektiven! Mit Kindern KiTa-Qualität entwickeln – Begleitbroschüre –. URL: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Broschuere_Kinderperspektiven_2021.pdf (abgerufen Mai 2022)
  •     Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (05.05.2022): Ekin Deligöz zur Nationalen Kinder-Chancen-Koordinatorin ernannt. URL: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/ekin-deligoez-zur-nationalen-kinderchancen-koordinatorin-ernannt-197138 (abgerufen Mai 2022)
  •     Bundesregierung Deutschland: Kinderrechte ins Grundgesetz. URL: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kinderrechte-ins-grundgesetz-1840968
  •     Deutschlandfunk (08.06.2021): Was sich für Eltern und Kinder ändern würde – Kinderrechte im Grundgesetz. URL: https://www.deutschlandfunk.de/kinderrechte-im-grundgesetz-was-sich-fuer-eltern-und-kinder-100.html
  •     Hagen/Kaiser (2022): Im Zentrum aller Bemühungen steht das Kind und nicht dein Ego! Der #NewKita-Ansatz. Epubli:Berlin
  •     Kutscher

 

Siehe hierzu auch: https://dossier.kinderrechte.de/   



von Sabine Hagen 18. Juni 2026
Wer die Zukunft der frühen Bildung entwickeln möchte, muss die Vergangenheit verstehen.
von Sabine Hagen 14. Juni 2026
In der Krise zu verharren und zu verwalten, führt in die Überlastung. Jetzt ist die Zeit, Strukturen radikal zu hinterfragen.  Aus Krisen entsteht der größte Innovationsdruck – auch für Kita-Teams und Träger.
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Deutschland steckt in einer Kita-Krise: Hundertausende Erzieher:innen fehlen bundesweit. Dieser dramatische Fachkräftemangel überlastet nicht nur die verbliebenen Fachkräfte, sondern gefährdet auch die Gesundheit und Bildung unserer Kinder. Je mehr Kinder von einer einzelnen Fachkraft betreut werden müssen, desto weniger Zeit bleibt für individuelle Förderung – ein entscheidender Faktor für die Entwicklung unserer Kleinsten. Die Abwärtsspirale: Überlastung führt zu noch mehr Ausfällen Die Folgen sind alarmierend: Kinder in überfüllten Gruppen erkranken häufiger, und überarbeitete Erzieher:innen melden sich krank. Das führt zu einer Abwärtsspirale – die Qualität der Betreuung sinkt weiter. Langfristig bedeutet das schlechtere Bildungschancen, weniger soziale Förderung und höhere gesellschaftliche Kosten und ein #BildungsCrash mit Ansage. Eltern spüren diese Krise täglich: Sie müssen die Betreuungslücken füllen, was zu mehr Stress und finanziellen Belastungen führt: Sinkende Betreuungsqualität: Wenn eine Fachkraft zu viele Kinder gleichzeitig im Blick behalten muss, verkommt der Bildungsauftrag zur reinen "Verwahrung". Pädagogische Angebote fallen als Erstes weg. Steigender Krankenstand: Die verbliebenen Erzieher:innen arbeiten permanent an der Belastungsgrenze. Die Folge: Überarbeitete Fachkräfte melden sich häufiger krank, was den Druck auf das verbleibende Team weiter erhöht. Höheres Infektionsrisiko: In überfüllten, unterbesetzten Gruppen steigt nachweislich auch die Infektionsrate bei den Kindern – ein Teufelskreis aus Krankheitswellen beginnt. Ein umfassender Bericht des Recherchezentrums CORRECTIV zeigte bereits Ende 2023 das ganze Ausmaß dieser Krise auf und machte deutlich: Wir steuern sehenden Auges auf einen bildungspolitischen Kollaps zu. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten Die Kita-Krise ist längst kein reines "Kita-Thema" mehr, sondern belastet die gesamte Gesellschaft: Schlechtere Bildungschancen: Frühkindliche Bildung legt das Fundament für die spätere Schullaufbahn. Fehlt diese Basis, drohen langfristig weniger soziale Förderung und höhere gesellschaftliche Folgekosten. Enormer Druck auf Eltern: Eltern spüren diese Krise täglich am eigenen Leib. Spontane Kita-Schließungen oder verkürzte Öffnungszeiten bedeuten, dass Eltern Betreuungslücken im Alltag selbst füllen müssen. Das führt zu permanentem Stress, mentaler Überlastung und nicht selten zu finanziellen Einbußen, wenn Arbeitszeiten reduziert werden müssen. Der Ausweg: Drei Hebel gegen den Kollaps Die Krise ist akut, aber sie ist nicht unlösbar. Um das System nachhaltig zu stabilisieren, muss an drei wesentlichen Stellschrauben gedreht werden: 1. Offensive in der Ausbildung Die Ausbildung zur Erzieherin / zum Erzieher muss attraktiver und finanziell vergütet werden. Hürden für Quereinsteiger müssen sinken, ohne dabei die pädagogischen Standards zu untergraben. 2. Verbesserung der Arbeitsbedingungen Bessere Personalschlüssel, Entlastung von bürokratischen Aufgaben durch Verwaltungskräfte und eine faire, leistungsgerechte Bezahlung sind der Schlüssel, um Fachkräfte im Beruf zu halten. Für interne Herausforderungen oder Ideen habe ich die Kita Canvas entwickelt. Hier geht's zum Blogbeitrag . 3. Konsequente Investitionen der Politik Jeder Euro, den wir heute in die frühkindliche Bildung investieren, spart der Gesellschaft in der Zukunft ein Vielfaches an Reparaturkosten. Die Politik auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene muss endlich echte Verantwortung übernehmen und die Krise mit oberster Priorität bewältigen. Fazit: Es ist eine Investition in unser aller Zukunft Wenn wir heute nicht handeln, riskieren wir die Zukunft einer ganzen Generation. Eine starke Wirtschaft und eine gesunde Gesellschaft funktionieren nur mit einem stabilen Fundament – und dieses Fundament wird in unseren Kitas gelegt.
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Frühkindliche Bildung ist mehr als Betreuung: Sie ist der erste Schritt zu Chancengleichheit, Resilienz und den Kompetenzen, die wir in einer mehr und mehr digitalen Welt dringend brauchen. Die Grundlagen für New Work, Future Skills und Sozialkompetenzen werden bereits in den ersten Lebensjahren gelegt. Doch wir stehen vor einer großen Herausforderung: Der aktuelle #BildungsCrash beeinflusst die Entwicklung unserer Kinder nachhaltig. Wie jüngst im Spiegel berichtet, fehlen gerade in Westdeutschland massiv Kitaplätze, und der Personalnotstand verschiebt sich zunehmend in die Grundschulen. Immer mehr Kinder erhalten nicht die Förderung, die sie für einen erfolgreichen Bildungsweg brauchen. Diese Entwicklung ist fatal – denn digitale Kompetenzen, Kreativität und soziale Fähigkeiten werden bereits in der frühen Kindheit, auch durch die Kitas, angelegt. Technologische Innovationen wie u. a. Googles Veo 3 zeigen, wie schnell sich Arbeits- und Lebenswelten verändern. Die Digitalisierung erfordert nicht nur technische, sondern vor allem soziale und kognitive Fähigkeiten: Empathie, Resilienz und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen. Diese „Future Skills“ werden in Kitas bereits gefördert – doch wir müssen sie erkennen, wertschätzen und weiterentwickeln. Die digitale Transformation mag manchmal überwältigend wirken – vor allem, wenn die Rahmenbedingungen nicht ideal sind. Doch inspirierende Veränderung beginnt im Kleinen: Schon ein kurzer Austausch im Team, ein gemeinsames Ausprobieren neuer Ideen oder das Teilen von Erfolgsgeschichten kann viel bewirken. Es geht nicht darum, alles auf einmal zu schaffen. Jeder kleine Schritt zählt und inspiriert andere. Was bedeutet das für Politik und Eltern? Politik: Setzen Sie auf nachhaltige Bildungsreformen, mehr Personal und eine bessere Ausstattung – und zwar jetzt, nicht erst in zehn Jahren. Eltern: Unterstützt eure Kinder dabei, neugierig zu bleiben und digitale Tools als Werkzeuge zu begreifen. Die digitale Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Lasst uns die Chancen nutzen, die in frühkindlicher Bildung und innovativer Technologie stecken. Wir brauchen mehr Mut zu Reformen, mehr Investitionen in die Jüngsten – und eine neue Aufmerksamkeit für dieses Zukunftsthema. 💛
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Juli 2025 Der Übergang vom Sommer zum Herbst ist traditionell eine Zeit des Umbruchs in der Kitawelt. Während in einigen Bundesländern die wohlverdienten Sommerferien beginnen, startet andernorts bereits das neue Kitajahr. Es ist die perfekte Phase, um innezuhalten, zu reflektieren und Liegengebliebenes neu zu sortieren. Doch im Kita-Alltag stehen Teams bei Veränderungen oft vor einer metaphorischen Pfütze. Die Frage, die sich dann stellt: Bleiben wir zögernd davor stehen oder wagen wir den Sprung? Kinder überlegen nicht lange – sie nehmen Anlauf und springen mutig hinein. Genau diese kindliche Neugier und diesen Mut brauchen wir auch, wenn wir Kitas zukunftsfähig gestalten wollen. Veränderungen fühlen sich manchmal riesig an. Aber sie beginnen immer mit dem ersten Schritt, mit einem kleinen Sprung – und auch mal mit nassen Füßen. In einer meiner letzten Podcast-Folgen des KI.taqualität® - der Podcast haben es Anja Zettel und Kathrin Stojakovic sehr gut auf den Punkt gebracht und uns an ihrem Sprung in die Pfütze teilhaben lassen: Den Mut, KMK kinderzimmer von einer zentralen zu einer dezentralen Organisation zu entwickeln. Oder, in meinem gern herangezogenen Vergleich mit der Pflanzenwelt: „Die Pflanze sagt ja auch nicht, zack, isch bin feddisch – sondern sie wächst. Erst mit zwei kleinen Blättern, dann immer größer.“ Schritt für Schritt werden aus kleinen Anpassungen große Fortschritte – wie bei der Pflanze, die erst zwei Blätter hat und dann immer mehr wächst. Veränderungen im Team brauchen Zeit, Geduld und manchmal ein bisschen Mut – so wie beim Hineinspringen in eine Pfütze. Jeder Sprung und jedes kleine Blatt zeigen: Wir entwickeln uns weiter. Drei Impulse für Ihr „erstes kleines Blatt“ morgen Sie müssen nicht sofort die gesamte Struktur Ihrer Kita auf den Kopf stellen. Inspirierende Veränderung gelingt am besten durch Mikro-Schritte. Stellen Sie sich im Team folgende Fragen: Wo blockieren wir uns selbst aus Angst vor Fehlern? Wo stünde uns etwas mehr „kindlicher Pfützen-Mut“ gut zu Gesicht? Was ist das kleinste denkbare Projekt? Welches „erste Blatt“ können wir diese Woche pflanzen, ohne das Team zu überfordern? Wie feiern wir kleine Fortschritte? Schauen wir nur auf das Endziel oder schätzen wir bereits das Wachstum der ersten zwei Blätter? Fazit: Jeder Sprung zeigt Entwicklung Veränderungen im Team brauchen Zeit, Geduld und manchmal ein bisschen Mut. Doch jeder Sprung und jedes neue Blatt beweisen: Wir bleiben nicht stehen, wir entwickeln uns weiter. Jetzt sind Sie dran: Wo möchten Sie morgen den ersten Sprung wagen? Was könnte das „erste kleine Blatt“ in Ihrer Kita oder Ihrer Organisation sein?
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
10 Jahre Kita-Digitalisierung: Von der „WhatsApp-Gruppe aus der Hölle“ zu echter Transformation Hätten Sie gedacht, dass wir vor genau zehn Jahren noch darüber diskutiert haben, ob Kitas überhaupt eine digitale Infrastruktur brauchen? Als ich vor einer Dekade mit dem Traum begann, eine eigene Kita-App zu entwickeln, war die Rückmeldung aus den Einrichtungen ehrlich, direkt und ernüchternd: „Brauchen wir nicht, dafür haben wir doch eine WhatsApp-Eltern-Gruppe.“ Heute wissen wir: Diese privaten Gruppen haben ihren ganz eigenen Ruf weg – manche nennen sie nicht ganz unberechtigt die „WhatsApp-Gruppe aus der Hölle“. Doch sie waren damals der erste, pragmatische Versuch, Kommunikation zu beschleunigen. Seit diesem Startschuss begleite ich die digitale Transformation in Kitas in ganz unterschiedlichen Rollen: von der Geschäftsführung in Kitas über die Prozessbegleitung bei der Digitalisierung bis hin zu meiner heutigen Position. Nach 10 Jahren in diesem Bereich steht für mich eine Erkenntnis felsenfest: Digitalisierung ist kein Hexenwerk. Es sind die kleinen, mutigen Schritte, die den echten Unterschied im Alltag machen. Und ja, diese WhatsApp-Gruppen haben auch ihren ganz eigenen Ruf – manche nennen sie die „WhatsApp-Gruppe aus der Hölle“. Ein Spruch, der mir ein Schmunzeln entlockt und den man sich glatt an den Kühlschrank hängen könnte. Oder in wie vielen WA-Eltern-Gruppen tummelt ihr euch gerade? Seit diesem Start begleite ich die digitale Transformation in Kitas weiterhin in ganz unterschiedlichen Rollen: Von der Geschäftsführung in Kitas über das Begleiten beim Start in die digitale Transformation, bis hin zu meiner aktuellen Position. Was ich dabei immer wieder sehe: Digitalisierung ist kein Hexenwerk. Es sind oft die kleinen, mutigen Schritte, die einen echten Unterschied machen können – im Alltag, für Teams, Eltern und vor allem für die Kinder. Im Unikum-Blog teilen wir daher regelmäßig praktische und motivierende Beiträge, die genau zeigen, wie Digitalisierung im Kita-Alltag positiv wirken kann – verständlich, praxisnah und mit ganz viel Herz. ➡️ https://lnkd.in/dBd9etN3 Der perfekte Zeitpunkt, sich inspirieren zu lassen – denn: „Digitalisierung heißt nicht Dauerstrom, sondern öfter mal kurz durchatmen und neu starten.“ Ein Satz, den man wirklich gern öfter hören sollte. Also: Schaut gern mal im Blog vorbei und feiert mit mir diesen kleinen, aber feinen 10-jährigen Jubiläumsschritt der Digitalisierung in der Kita! Happy anniversary to me! 🫶
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Bereits 2018 war ich im Austausch mit Bundestagsabgeordneten zum Thema Digitalpakt Kita. Kurzzeitig aufgegriffen, dann wieder verworfen, denn: Wer ist eigentlich zuständig? Mittlerweile haben Bildung und der frühkindliche Bereich zumindest das gleiche Haus auf Bundesebene im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, doch geändert hat sich wenig. Außer ein 4 Mrd. € Sondervermögen für Hochschulen vs. Kitas. Was wir in den ersten 6 Lebensjahren verpassen, holen wir nicht mehr auf. Das ist keine Meinung — das ist wissenschaftlicher Konsens. Und trotzdem behandeln wir Kitas wie eine Aufbewahrungsstelle, die man gelegentlich mit WLAN ausstattet, wenn gerade Geld übrig ist. Ich nenne das nicht Pech. Ich nenne das strukturelle Bildungsvergessenheit. Der #BildungsCrash ist kein Zufall. Er ist eine Folge von Entscheidungen. Jan-Martin Wiarda schreibt das Anfang März ganz treffend in seinem Blogbeitrag zur Verteilung des Sondervermögens: „Hier manifestiert sich ein gesellschaftlicher Trend, dessen Existenz sich immer weniger verleugnen lässt. Eine alternde Gesellschaft interessiert sich immer weniger für ihre eigene Zukunft, sprich: die immer kleiner werdende junge Generation." Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines strukturellen Ungleichgewichts: Hochschulen sind politisch besser organisiert. Kitas sind fragmentiert, unterfinanziert — und haben keine Lobby, die auf Augenhöhe spricht. Wer in den ersten Lebensjahren nicht investiert, investiert später das Dreifache — in Förderung, Therapie, Nachholen. Das ist kein Meinung. Das ist Bildungsökonomie. Der #BildungsCrash ist kein Zufall. Er ist eine politische Entscheidung. Und ich weigere mich, so zu tun, als wäre das normal. „Christian" war 2022 der meist verbreitete Name unter Vorständen, mein Blogbeitrag hierzu vom 20. Mai aktueller denn je.
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Die Digitalisierung ist längst Teil unseres Alltags, und auch in Kitas gewinnt sie zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um den Einsatz von Tablets oder Apps, sondern um die Chance, frühkindliche Bildung gezielt zu unterstützen und gleichzeitig die Qualität der pädagogischen Arbeit zu steigern.
von Sabine Hagen 11. Juni 2026
Was brauchen Kinder, um zu wachsen? Was braucht ein Team, um stark zu bleiben? Und was braucht frühkindliche Bildung, um sich weiterzuentwickeln?
von Sabine Hagen 12. Februar 2026
Für einen erfolgreichen Start und die ersten Schritte in Richtung Digitalisierung braucht man als Leitung und Team vor allem eines: Klarheit. Eine digitale Kita aufzubauen und zu führen darf nie den Fokus von dem abwenden, was die wichtigste aller Aufgaben ist: die Bildung, Förderung, Entwicklung und Betreuung der Kinder in der Kita – und die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Genau hier setzt meine Reihe an: 22 Buchstaben. 22 Schlüsselbegriffe. 22 Impulse für digitale Kita-Führung und eine zukunftsorientierte Kita. Digitale Transformation in Kitas beginnt nicht mit der perfekten Software, sondern mit Menschen, die sich trauen, kleine Schritte zu gehen. Mit Leitungen, die zuhören. Teams, die Unterschiede nicht wegdrücken, sondern nutzen. Und mit der Einsicht: Digitalisierung ist kein Extra-Projekt, sondern Teil guter Kita-Qualität – heute und morgen. In meinen LinkedIn-Impulsen und hier im Blog lade ich dazu ein, digitale Entwicklung menschenzentriert zu denken: als gemeinsamen Prozess aus Dialog, Integration, Innovation, Generationenvielfalt, Teamkultur – und vielen weiteren Begriffen, die wir nach und nach miteinander erkunden. Jede Woche kommt ein weiterer Buchstabe hinzu – mit einem kurzen Impuls, einer Einordnung aus dem Alltag und einem kleinen Auftrag, den Leitungen direkt mit in ihre Woche nehmen können. Im Folgenden habe ich alle bisher veröffentlichten Impulse verlinkt – und ergänze sie fortlaufend: >> Für mehr Struktur in diesem Marathon kann ich meine Kita Canvas empehlen, die man sich hier kostenlos als pdf herunterladen kann.<<