Die vergessenen Mütter
Frauen haben es in dieser Gesellschaft nach wie vor schwer. Kind und Karriere, das ist nur mit Abstrichen möglich. Selbst als zweifache Mutter, mit zwei Uniabschlüssen und jetzt dem zweiten, gemeinschaftlich gegründeten Unternehmen, stehe ich vor dieser Herausforderung. Nicht, weil „es so stressig ist, mit zwei kleinen Kindern.“, sondern weil der Arbeitsmarkt, die Arbeitgeber, die Gesellschaft, immer noch ein Problem haben: Berufstätige Mütter.
Isabell Prophet hat es beim Business Insider Deutschland gut auf den Punkt gebracht: "Eltern brauchen keine Sonderregelung – Eltern sind der Standard und wir brauchen vernünftigere Arbeitsstrukturen"
Ich habe den Luxus, mir meinen Job selbst aussuchen oder wie im Moment, selbst schaffen zu können. Ich hatte den Luxus als Kita-Geschäftsführerin in TZ, mit meinem Laptop von zu Hause zu arbeiten. Andere haben diesen Luxus nicht.
Gestern noch habe ich dieses Bild auf den Sozialen Medien gepostet. Ein kleines Rätsel. Für viele mit einem Schmunzeln betrachtet, stellt es die Realität dar. Und sie ist nicht lustig.

„Wir brauchen mehr Kinderbetreuungsplätze“ wird vielerorts gefordert. „Wir brauchen flexiblere Arbeitszeiten“. Wir brauchen so Vieles. Wie im Business Insider ebenfalls steht: „Ein betreutes Kind ist nicht einfach weg“. Richtig, denn wir sehen den Herbst auf uns zukommen. Nicht nur, dass die Infektionszahlen weiter steigen und die 4. Welle im Anmarsch ist, nein, Herbst und Winter sind Schnupfnasen-Zeit in jeder Kita. Immer. Jedes Jahr. Das bedeutet, kranke Kinder zu Hause, Eltern ebenfalls. Nun kommen wir zum Titel dieses Artikels. Die vergessenen Mütter.
Wenn in vielen Firmen und Branchen für mehr Flexibilität bei der Arbeit gekämpft wird, für Krankentage ohne schlechtes Gewissen, dann vergessen wir hier komplett einen der wichtigsten Berufsstände unserer Gesellschaft:
Die pädagogischen Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen und der -tagespflege, die ebenfalls Mütter sind. 93% der Mitarbeitenden in den Kitas waren 2020 Frauen, 93% von knapp 676.000 Arbeitnehmern. Im Schuljahr 2019/2020 haben +98% gegenüber dem Schuljahr 2007/2008 mit der Ausbildung zum/zur Erzieher/in begonnen (41.483). 81% davon weiblich.
Es wird nach mehr Männern in den Kitas gerufen, doch vergessen wir die Frauen.
Wir brauchen neue Arbeitsmodelle in den Kitas, um all denen Flexibilität zu ermöglichen, die ebenfalls Kinder haben.
Als ehemalige Kita-Geschäftsführerin weiß ich, welche Gradwanderung es in den Kitas ist, wenn alle nach der Elternzeit nur noch Teilzeit und am liebsten am Vormittag arbeiten möchten. Ich weiß aber auch, welche unschönen Sätze sich eine Gruppen- oder Kita-Leitung anhören muss, wenn auf Grund Personalmangels eine Kita-Gruppe früher oder komplett geschlossen werden muss. Die Kitas waren während der Corona-Pandemie größtenteils nie wirklich geschlossen. Teilweise gab es eine Auslastung „in der Notbetreuung“ von über 70%. Es hat keiner danach gefragt, wie das Personal Job und Familie unter einen Hut bringt.
Es gibt bereits jetzt die ersten Auswirkungen des Fachkräftemangels zu spüren. Bis 2025/2030 wird sich dieser noch weiter erhöhen. Hier sind alle Arbeitgeber gefragt. Nicht nur die, in deren Trägerschaft sich Kindertageseinrichtungen befinden. Es sind alle Arbeitgeber gefragt, denn Kitas sind nicht nur systemrelevant, sie sind systemzentral.
#NewKita hat begonnen mit „Digitalisierung trifft New Work in der Kita“. Mittlweile ist es zu einem ganzheitlichen Ansatz geworden, der einen Wandel in der frühkindlichen Bildung einläutet. Einen Wandel hin zu einer zeitgemäßen Pädagogik, mit zeitgemäßen Werkzeugen und Arbeitsmodellen.
Wir sind bereit für diesen Wandel. Ihr
auch?










